Verarscht unterm Banjambaum – Na und?

Dies ist meine 19. oder 20. Indienreise. Ich war mir sicher, dass ich so ziemlich alle Tricks und Fakes erkennen würde, die die kreativen Schwindler anwenden, um an die Rupien der Geleimten zu kommen. Ich habe sogar schon einigen indischen Touristen Zeichen gegeben, dass sie dieses besondere Angebot besser ausschlagen sollten, weil ich eine bestimmte Masche schon von anderen Orten her kannte. Und trotzdem fall ich immer mal wieder drauf rein. Vielleicht ist auch ein Grund, weshalb ich nicht genug bekommen kann, von Incredible India.

Vor fast genau drei Jahren hatte ich einen Facebook-Beitrag vom Baba unter dem Banjambaum gepostet: Sprechstunde unterm Banjabaum

Wie dem Beitrag zu entnehmen ist, hatte mich der Besuch beeindruckt und berührt. Als ich vor ein paar Tagen den Betreibern der Little Indian Village erzählte, dass ich am nächsten Tag nach dem Baba unterm Banjambaum schauen will, lachten die zwei: „Den Baba von vor drei Jahren gibt es längst nicht mehr. So wie all die anderen, wird er wohl im Gefängnis sitzen. Der aktuelle Baba wäre wohl aus Belgien.“ Ich war überrascht und hakte nach. Die Babas wären gar keine echten heiligen Männer, sondern Gauner, oftmals von der Polizei gesucht. Die Nähe zum Arambol Beach wäre ideal um Touristen anzulocken und abzuziehen und der Platz unterm Banjambaum wäre darüber hinaus ein Drogenumschlagplatz. Ich fühlte mich ertappt, lies mir aber nicht anmerken, dass ich von meinem Besuch dort recht angetan war.

Mein zweiter Besuch

Mit diesen Informationen machte ich mich erneut auf den Weg in den Wald, zum Banjambaum. Natürlich waren meine Antennen nun ganz anders eingestellt und mir sind Dinge aufgefallen, die ich vor drei Jahren nicht bemerkt hatte. Auf dem Weg zum Baba sind Markierungen an die Bäume gemalt, ähnlich denen vom Alpenverein, damit die Touristen auch im Dunkeln hin und zurück finden. Etwas abseits vom Weg machte ich zwei weitere kleine Lager aus, mit vermeintlich wartenden Pseudo-Babas, die wohl auf ein Nachrücken hofften.

Oben angekommen, dann das gleiche Bild, wie vor drei Jahren. Ein dauerkiffender ältere Mann, mit einer zugedröhnten Begleitmannschaft, die sich um Chai und den Nachschub von Gras und Tabak kümmerte. Auch ohne meinen neuen Informationen hätte ich die Stimmung unangenehm empfunden. Der Mann, den ich vor drei Jahren dort erlebt hatte, strahlte Ruhe aus, hörte zu, sprach leise mit den Ratsuchenden und war einem Baba entsprechend gekleidet. Dieser hier war fahrig, stand alle paar Minuten auf und hatte seine Leute nicht im Griff. Zwischen denen entbrannte ein verbaler Streit, der immer lauter wurde. Nachdem dann auch noch ein Affe auftauchte, gefüttert und von einem der Helfer geärgert wurde, war es ganz rum, mit Besinnlichkeit. Ein junger Mann, der wie ich die Szene mit etwas Abstand beobachtete, stand auf und machte seinem Ärger Luft. Was das soll, wilde Tiere anzufüttern und zu ärgern. Andere Touristen ergriffen sofort verbal Partei für den Baba und seine Helfer. Jetzt wird’s spannend, dachte ich und solidarisierte mich innerlich sofort mit dem Touristen, dem der Spuk wohl auch aufgefallen war. Der Baba und ein indischer Besucher beschwichtigten, der Affe verschwand, der kritische Tourist auch. Ich folgte wenig später, mit einem Grinsen im Gesicht.

Als ich am Abend beim Essen meine Bilder sichte, steht einer der Kellner hinter mir und schaut sich die Fotos an. Selbstsicher sage ich nur: „It’s all fake.“ Der Kellner bestätigt und erzählt mir noch ein paar Geschichten über abgezogene Touristen und endet damit: „When I tell them something for free, they don’t believe me, but when this men tell them bullshit, they pay 500 Rupies, for nothing.“

Ja, ich hatte mich vor drei Jahren verarschen lassen. Aber was soll’s. Ich hatte ein Erlebnis, was mich zum Nachdenken anregte. Und selbst wenn die Ratsuchenden, im Glauben diesen bei einem weisen Mann gefunden zu haben, dafür 500 Rupien oder sonstwas dagelassen haben, ist es doch auch okay. Eine Flasche Bier kostet 100 Rupien und in die investierte ich am Abend. Incredible India!

1 Gedanke zu „Verarscht unterm Banjambaum – Na und?

  1. Hallo,

    die Höhen und Tiefen einer Indienreise. Die Geschichte gefällt mir gut, hätte mir auch so passieren können. Wie sehr lassen wir uns von der Mystik verzaubern? Wie schwer ist es oft, Wunsch und Wirklichkeit auseinander zu halten? Trotzdem fasziniert mich dieses Land immer wieder, sodass ich immer wider hinreisen möchte.

    Auch in Nepal haben wir viele Sadhus gesehen und es war schwer, echte von Touristen-Sadhus auseinander zuhalten.

    Liebe Grüße
    Renate

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