Shankar Ji – Werbung für einen Dhaba (Imbiss) in Agra – ob er will oder nicht!

Manchmal bin ich so begeistert von scheinbar Unauffälligem, dass ich das Gefühl habe, ich hätte eine Perle gefunden. Im doppelten Sinne ging es mir mit dem Shankar Ji, einem kleinen Imbiss abseits des Taj Mahal Rummels. 
 
Nach zwei Tagen hatte ich genug vom lieblos zusammengekleisterten Essen rund ums Taj Mahal und machte mich auf die Suche nach einem klassischen indischen Mittagessen (Thali) und kam irgendwann an einer Reihe von Dhabas vorbei. Beim Shankar Ji hingen drei Männer gelangweilt um ihre Bude herum und machten nicht den Eindruck, als hätten sie allzu viel Geschäft hinter sich. Kochbereich, Anrichte und die wenigen Tische machten einen unbenutzten Eindruck. Trozdem waren mir die Jungs irgendwie sympathisch und ich versuchte mein Glück. Die Wahl war schnell getroffen, ein Thali und ein Sweet-Lassi. 
 
Für meinen Thali musste ich 10 Minuten warten, was daran lag, dass alles frisch zubereitet wurde. Wirklich alles. Jeder Handgriff saß, ein eingespieltes Team auf engstem Raum, dass man sich in jeder Restaurantküche wünschen würde. Der Thali ein Gedicht, der Lassi lecker fett und nicht zu süß. Ich war begeistert. Kaum waren die Jungs mit ihrer Arbeit fertig, hingen sie wieder lustlos um ihren Imbiss rum und warteten auf die nächsten Gäste. Ich weiß nicht, ob Shankar Ji Werbung braucht. Ist mir egal, ich mach es einfach und empfehle jedem, die Straße zum Taj Mahal Southgate vom Taj weg zu laufen, bis ihr nach etwa 1 KM auf der linken Seite die Dhabas entdeckt.
 
Und noch was, was mich beeindruckt hat: Ich war am Abend wieder dort und hatte ausgezeichnetes Palak Paneer. Dem Wirt ist natürlich aufgefallen, dass ich wieder gekommen bin, was ihn freute, er sich an meinen Tisch setzte und wir ins Gespräch kamen. Dabei ist ihm aufgefallen, dass ich immer wieder zu einem alten Mann schaute, der am Nebentisch aß. Irgendetwas irritierte mich. Und bevor ich darauf kam, dass es die völlig abgetragene Kleidung war, erzählte der Wirt mir, dass der alte Mann keine Familie hätte. Keine Frau, keine Kinder, keine Angehörigen. Arbeiten konnte er nicht mehr, eine Rente oder Sozialhilfe gibt es nicht. Der Mann würde regelmäßig ins Shankar Ji kommen und könnte sich auf Kosten des Hauses zu essen bestellen, was er wollte. Soviel Fürsorge im Unauffälligen hatte mich ganz schön gerührt.
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