Mal was ganz anderes: Kassenpatient nach 6 Tagen Krankenhaus geheilt entlassen!

Ein Krankenhausphobiker lernt dazu
Ich habe zum Glück nicht allzu viel Krankenhauserfahrung sammeln müssen aber die wenigen waren prägend. Das hatte Folgen: Freunde im Krankenhaus besuchen war mir immer sehr unangenehm, einen Nabelbruch ließ ich trotz dringender ärztlicher Mahnung ambulant operieren u.ä. Grund dieser Vermeidungsstrategien waren zwei Aufenthalte im Heppenheimer Krankenhaus und einer Nacht im Mannheimer Klinikum. Einmal als Kind, einmal als Jugendlicher und einmal als Erwachsener. Das Krankenhaus in Heppenheim gibt es zwar nicht mehr aber wann immer ich an dem Ort vorbeikomme, erinnere ich mich an die strengen katholischen Nonnen, die dort ihr Regiment führten. Selbst Kinder durften damals nur in einem Minibesuchszeitfenster von Mama und Papa getröstet werden. Und von Gottes Liebe war bei den groben Weibern nicht allzu viel zu spüren. Als Jugendlicher war ich dann nochmal in einem 8-Bett Zimmer untergebracht, mit Männern, die nach dem offiziellen Lichtaus, die eingeschmuggelten Alkoholika auspackten und bis spät in die Nacht Karten spielten. Auch mit dem Qualmen unterschiedlicher Tabakprodukte nahm es damals zu fortgeschrittener Stunde niemand so genau. Ich kann mich auch noch gut an die unterschiedlichen Schnarchtypen erinnern, die mir in dem Gestank zusätzlich den Schlaf raubten.

Zur chronischen Krankenhausphobie mauserte sich das Problem dann als Erwachsener, als ich nach einer Untersuchung eine Nacht im Klinikum Mannheim verbringen musste. Dort irritierten mich die vielen Mausefallen, die für sehr große Mäuse aufgestellt sein mussten. Im Laufe der Nacht stellte sich dann heraus, dass die großen Mäuse Ratten waren und auch gerne mal ins Zimmer kamen. Eine zumindest in unseres (mein Bettnachbar kann dies bezeugen), die sich von den Fallen unbeeindruckt zeigte. Als Indienreisender bin ich sicherlich deutlich toleranter, was Hygiene und sich überschneidende Lebensräume zwischen Tier und Mensch angeht, als der Durchschnittspatient. Aber Ratten in der stationären Infektiologie waren für mein Vertrauen in das System Krankenhaus keineswegs förderlich. Gerne erinnere ich mich auch an die ambulante Blutuntersuchung im selben Zusammenhang. Ein Arzt wartete bis ich Platz genommen hatte, sah mir tief in die Augen und begann mich emphatisch zu trösten und zu beteuern, dass die Therapie durchaus Aussicht auf Erfolg haben könnte und … mein Mund wurde schlagartig ganz trocken: »Ich bin doch nur zur Kontrolle hier« stotterte ich. »Und jetzt Krebs?« Oh! – falsche Akte!. Ein kurzer Blick aufs Geburtsdatum bestätigte das positiv, negative Ergebnis. Ich war bedient, für alle Zeiten und machte fortan einen großen Bogen um alles, was nach Krankenhaus aussah oder roch.

Und jetzt die Einlieferung ins Klinikum Ludwigshafen. Nichts mit hygienischen Katastrophen; überfordertem, inkompetentem und unfreundlichem Personal, schrecklichem Essen und schlechtgelaunten Ärzten, denen man jede Information aus der Nase ziehen muss. Von all dem Aufgezählten, einfach alles umkehren und es passt auf meinen Aufenthalt im Klinikum Ludwigshafen. Zumindest auf die HNO-Abteilung. Alles ist gut. Nicht nur, dass meine physische Gesundheit wieder auf gutem Wege ist, nein, auch meine Angst vor Krankenhäusern ist deutlich gesunken.

 

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