Das verlassene Hotel, die Konfrontation, der Blick über Saigon und am Ende das gleichnamige Bier

Sind wir doch nach etwas ausgestandener Angst stets merklich heiter. (Arthur Schopenhauer, 1788 – 1860, deutscher Philosoph)

Wir treffen uns mit Arnaud am Opera House. Der Mann ist ein professioneller Fotograf, der seit Jahrzehnten in Saigon lebt und arbeitet. Wir sind die einzigen zwei Teilnehmer der Urban Exploration Tour. Maximal vier hätte Arnaud mitgenommen. So ist es natürlich noch komfortabler, wir haben den Saigon-Kenner für uns alleine. Die erste Station erreichen wir mit dem Taxi. Ein Tempel, nur ein paar Minuten vom pulsierenden Zentrum Saigons entfernt. Nicht wahnsinnig spektakulär, sondern eher ein Ort der Ruhe, ohne inländische und ausländische Touristen. Ein guter Platz, um sich ein bisschen kennenzulernen. Das einfallende Licht und die an der Decke hängenden Räucherspiralen sind ideal um verschiedene Kameraeinstellungen auszuprobieren (in einem meiner nächsten Posts werde ich die Ergebnisse vorstellen).

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Die nächste Station ist schon deutlich aufregender. Wir dringen ein in ein Geflecht von Gassen, die so schmal sind, dass kaum ein Motorroller passieren kann. Eng und hoch stehen die schmalen Häuser beieinander und es ist eine Herausforderung die richtigen Kameraeinstellungen für die Lichtspiele zu finden. Tätowierte Männer erinnern mich an Fotografien chinesischer Gangmitglieder. Eine junge Frau rät mir nicht weiter zu gehen. Wir vertrauen Arnaud, der weiter geht. Der kennt sich aus, spricht Vietnamesisch und kennt die Leute im Quartier (Bilder und der Bericht in einem meiner nächsten Posts).
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Wir arbeiten uns Stockwerk für Stockwerk nach oben. Die Zeit vergeht wie im Fluge. An jeder Ecke gibt es Spannendes zu erkunden und zu fotografieren. Wenn ich irgendwann mal Modelfotograf werden wollte, dann an diesem Ort und in diesem Moment. Wir müssen uns beeilen, gleich beginnt die blaue Stunde und der Sonnenuntergang. Arnaud telefoniert, kurz darauf führt uns eine junge Frau aufs Dach des Hotels, schließt uns die Türen nach oben auf und erhält ihr »Trinkgeld«. Der Blick über Saigon ist beeindruckend aber richtig genießen können wir den noch nicht. Keine Absperrungen, keine Geländer, eingebrochene Decken und wackelige Feuerleitern machen uns weiche Knie. Arnaud führt uns zu einer Stelle, die frei zu schweben scheint. Nur noch ein Pfeiler am Rande der Betonplatte, lässt erahnen, dass dies mal ein geschlossener Raum mit Aussicht war. urban_05

Arnaud weist Kathrin an, nach draußen zu gehen, und mir zeigt er den Weg zur gegenüberliegenden Seite, von wo aus ich die besten Aufnahmen machen könnte. Bald ist Sonnenuntergang und wir müssten uns beeilen. Die Ansage kommt so selbstverständlich, dass ich mich sofort auf den Weg mache und Kathrin, die unter Höhenangst leidet, nach draußen klettert, als wäre es ein Spaziergang. Ich würde darauf wetten, dass sich Kathrin das nicht antut. Aber mutige Menschen sind diejenigen, die sich ihrer Angst stellen. Die Wette hätte ich verloren und eigentlich hätte ich es wissen müssen. Nach ein paar Minuten Fotografieren ist Kathrin am Ende ihrer Kräfte. Ich bin dran und mir geht es ähnlich. Der Blick nach unten sorgt für Adrenalin pur, der Kick hält Stunden. Bis spät in die Nacht sitzen wir auf Plastikhockern in Saigons Amüsierstraße und am Ende wissen wir nicht mehr so genau, ob die Knie noch von unserem Ausflug so weich sind oder schon vom Saigon Bier.
urban_04 Arnaud weist Kathrin an, nach draußen zu gehen, und mir zeigt er den Weg zur gegenüberliegenden Seite, von wo aus ich die besten Aufnahmen machen könnte. Bald ist Sonnenuntergang und wir müssten uns beeilen. Die Ansage kommt so selbstverständlich, dass ich mich sofort auf den Weg mache und Kathrin, die unter Höhenangst leidet, nach draußen klettert, als wäre es ein Spaziergang. Ich würde darauf wetten, dass sich Kathrin das nicht antut. Aber mutige Menschen sind diejenigen, die sich ihrer Angst stellen. Die Wette hätte ich verloren und eigentlich hätte ich es wissen müssen. Nach ein paar Minuten Fotografieren ist Kathrin am Ende ihrer Kräfte. Ich bin dran und mir geht es ähnlich. Der Blick nach unten sorgt für Adrenalin pur, der Kick hält Stunden. Bis spät in die Nacht sitzen wir auf Plastikhockern in Saigons Amüsierstraße und am Ende wissen wir nicht mehr so genau, ob die Knie noch von unserem Ausflug so weich sind oder schon vom Saigon Bier.   urban_06 urban_07 urban_08 urban_09 urban_10

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